Markus W.

Markus W.

„Am Himmel“ in Wien

Markus W., 20, war von September 2007 bis August 2008 gemeinsam mit drei anderen Freiwilligen als JEV in Wien und arbeitete im Behindertenheim „Am Himmel“.

„Du bist doch ein JEV. Von euch erwartet man sich mehr Einsatz als von einem normalen Zivi.“ Soweit ein Kollege (Zivi!) an meiner Arbeitsstelle im Caritas-Kinderheim „Am Himmel“ in Wien. Aber was ist ein JEV tatsächlich? Menschen, die nach Abschluss ihrer Schullaufbahn ein Jahr „anders leben“ wollen, ihre gewohnte Umgebung verlassen, beruflich im sozialen Bereich tätig werden und sich der Herausforderung stellen, mit anderen Freiwilligen in enger Gemeinschaft zu leben. Menschen, die fühlen, dass solche Anforderungen ihr Leben bereichern können und den Sprung ins kalte Wasser wagen, indem sie Kontakt mit den Jesuit European Volunteers aufnehmen. Meine Motivation war der Wunsch während des Zivildienstes ins Ausland zu gehen und Fragen bezüglich meiner persönlichen Zukunft zu klären. Das Bewerbungsverfahren mit Selbst- und Fremdreferenz sowie Gespräche mit einem Jesuiten und einer Ex-JEV waren Etappen auf dem Weg in den Einsatzort. Danach gab es eine längere Pause, bis ein Telefonanruf aus dem Leitungsbüro mich im Juni über meine zukünftige Wirkungsstätte aufklärte: Wien, Caritas-Behinderteneinrichtung „Am Himmel“. Die Atmosphäre an meiner Arbeitstelle hat mir beim ersten Besuch sofort zugesagt. Im September wurde es dann ernst: Nach der Kennenlernwoche ging es gleich los Richtung Wien. Am Westbahnhof wurden wir vier Neuwiener gleich von unserer Kommunitätsbegleiterin, Katrin Weber Morales, unter die Fittiche genommen. Ein weiterer Unterschied zu herkömmlichen Freiwilligenorganisationen ist: Ein JEV kommt nie alleine. JEVs leben in Kommunitäten zu drei oder vier Gleichgesinnten, sodass die Anpassung an die neue Umgebung nicht zu schwer fällt. Die ersten zwei Wochen in der Arbeit waren dann ein ständiges An-die -Schmerzgrenze-Gehen. Den ganzen Tag mit behinderten Kindern zu arbeiten, die genau wussten, dass ich neu war und meine Unerfahrenheit gnadenlos ausnutzten, kostete mich so viel Kraft, dass ich des Öfteren fast in der Straßenbahn auf dem Heimweg eingeschlafen wäre. Mittlerweile habe ich mich gut eingelebt und die Kommunität im neunten Wiener Gemeindebezirk ist mir ein richtiges Zuhause geworden - auch wenn die Grundlinie „Einfaches Leben“ im Alltag ständig neu definiert und erkämpft werden muss und das Leben in Gemeinschaft nicht immer konfliktfrei abläuft.

 
Zuletzt geändert: 13.12 2009